Wasserburger Stimme – Er nahm sich Zeit für Wasserburg

Wasserburger Stimme – Er nahm sich Zeit für Wasserburg

Er nahm sich gern ZEIT für Wasserburg …

Hubertus Meyer-Burckhardt las gestern im Kino – Optimistisches Nachdenken über die Lebenszeit

 

Es gibt keine vernünftige Alternative zum Optimismus! Das ist der Kernsatz des gestrigen Abends im Wasserburger Kino. Und zwar von ihm: Als er es sich auf einem Barhocker im großen Utopia-Saal vermeintlich bequem machte und dem Publikum ausgesprochen nah war – Hubertus Meyer-Burckhardt. Er war auf Einladung von Marie Theres Kroetz Relin – sie kennen sich seit vielen Jahren beruflich – zu einer Lesung zu Gast. Der Produzent, Autor und so beliebte NDR-Talkshow-Moderator aus Hamburg, der Wasserburg zum dritten Mal besuchte …

Fotos: Renate Drax

… war er doch als Schüler und Student schon hier gewesen … An diesem so unglaublich schönen Ort, wie er im Gespräch mit der Wasserburger Stimme und auch bei der Lesung schwärmte. Viel könne er aber nicht anschauen, da ihm die Zeit dazu auf seiner Tour leider fehle.

Doch die Zeit für eine Lesung hier, die nahm sich der Hamburger gerne – seine Zusage auf Anfrage von Marie Theres Kroetz Relin war sofort gekommen. Womit wir bei seinem Buchtitel des Abends sind: Einem ungewöhnlichen, der Aufmerksamkeit weckt – und zwar von Beginn an zwischen den sechs Worten. Aufmerksamkeit darauf, der freien Zeit Qualität zu geben und sie zu genießen:

Die ganze Scheiße mit der Zeit.

Es ist ein autobiografischer Ratgeber, einer von den Klugen! Hubertus Meyer-Burckhardt erzählt darin humorvoll, lebensecht, sympathisch und will Optimismus in die Herzen transportieren. Obwohl es um einen prügelenden Vater geht und zwei Karzinome. die sein Leben vor zwei Jahren von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt haben.

Ihm gelingt es, mit seinen Worten zu inspirieren. Es lohnt sich, das Buch aufmerksam zu lesen – und es lohnt sich, ihm aufmerksam zuzuhören. Das taten gestern viele im ausverkauften Saal in Wasserburg. Es wurde viel gelacht. Und es wurde nachgedacht …

Man hätte meinen können, es kommen hauptsächlich Frauen zu dem Abend mit dem so charmanten TV-Moderator – nein, es kamen auch viele Männer gestern in den Wasserburger Kinosaal.

Hubertus Meyer-Burckhardt, leicht verschnupft stand er vor einem zur Begrüßung beim Cafe Central: Mit Mütze und dickem Schal eingepackt – und einem freundlichen Lächeln zur Begrüßung. Er trank Ingwertee dann wegen der Erkältung. Und die Zeit, sie lief – stand nach der Lesung in Wasserburg doch noch eine in Trostberg an. Marie Theres Kroetz Relin (Foto unten Bildmitte) an seiner Seite – ja, sie bringt die Stars aufs Land, wie versprochen.

Hubertus Meyer-Burckhardt signierte seine Bücher vor der Lesung im Kino-Foyer gerne – in Zusammenarbeit mit der Wasserburger Buchhandlung Fabula.

Während Kino-Chef Rainer Gottwald persönlich letzte Umbauarbeiten am Lesetisch vor der großen Kino-Leinwand vornahm, meinte Hubertus Meyer-Burckhardt, er hoffe, dass seine Bandscheiben diesen Sitzplatz mitmachen, auf dem Barhocker hin- und herrutschend. Das Publikum lachte und der Bann vor dem großen Gast, er war schnell gebrochen.

Dieser leichtgängige und flüssig lesbare – wie ganz wunderbar hörbare – Fließtext ging leider die Schrecksekunde einer furchtbaren Krebsdiagnose voraus, die Meyer-Burckhardt über seine restliche Lebenszeit hat so nachhaltig nachdenken lassen. Da er rückblickend betrachtet hemmungslos und ohne jede Reflexion mit seiner Zeit umgegangen sei, habe er fortan begonnen, dies zu ändern – sein Mantra es gibt keine vernünftige Alternative zum Optimismus stets im Ohr, im Kopf, im Herzen! Diesen Lernprozess hat er aufgeschrieben. So gut, dass man ihn sofort miterlebt, sich hineinversetzt fühlt, hautnah.

Hubertus Meyer-Burckhardt liest aus seinem Leben vor – wenn er denn liest, denn immer wieder erzählt er auch einfach frei dem Wasserburger Publikum, das an seinen Lippen hängt. Kennt man sie doch nur zu gut, diese Stimme der berühmten, großen Talkshow im Fernsehen.

Beginnend mit seiner Kindheit, seinen schulischen „Glanzleistungen“ und seinem beruflichen Werdegang reflektiert er sein eigenes Leben und seinen Werdegang. Im Buch ausführlich, in der Lesung kurz und nachhaltig. Dabei erwähnt er Momente, Empfindungen und Entdeckungen, die ihn geprägt und maßgeblich zu dem Menschen haben werden lassen, der er jetzt ist. Er zitiert und hinterfragt. Das Phänomen ZEIT. Dabei geht er auch selbstkritisch mit sich ins Gericht und erzählt ganz ehrlich, wie unzufrieden und unsicher er häufig war. Die Ängste, er lässt sie nicht weg.

Ihm gelingt sie, die Liaison zur humorvollen und ehrlich optimistischen Art, die er durch und durch verkörpert. Auch wenn er so vor einem sitzt. Die Botschaft: Kämpfe im Inneren hat jeder zu kämpfen – selbst die Erfolgreichsten. Aber, Kopf hoch – nach vorne blicken. Habe Hoffnung.

Besonders berührend sind seine kleinen Momente im Leben, von denen er erzählt, wie sie ihn glücklich machen. Ein Geruch oder der Besuch eines besonderes geschichtsträchtigen Ortes. Und natürlich die Begegnungen mit den Menschen. Auch die kurzen.

Heute mit 63 Jahren führe er nun seit zwei Jahren eine Affäre mit dem Jetzt. Und sie wird andauern, seine Affäre … Denn man hat zwei Leben. Das zweite beginne, wenn man begreife, dass man nur eins habe.

Es ist ein wegweisendes Buch und es war eine wegweisende Lesung. Viele Gedanken gab Hubertus Meyer-Burckhardt gestern den Zuhörern mit auf den Weg – nach Hause und ins Leben. Wie ein väterlicher Freund, wie ein Kumpel. Ja, bitte optimistisch bleiben. Sich mehr auf Dinge fokussieren, die einen glücklich machen. Und schöne Momente bewusster erleben.

Denn die kostbare Lebenszeit – sie ist einmalig. Planen sollte man sie nicht immer!

Wie passend zum Thema: Eine schöne Begegnung gestern am Rande der Lesung in Wasserburg! Hubertus Meyer-Burckhardt traf seinen guten Freund aus der Münchner Zeit bei PRO7 wieder, Prof. Dr. Marcus Englert (rechts im Bild), ehemaliger ProSiebenSat.1-Vorstand. Hier begrüßt er ihn mit dessen Mutter aus Gars am Inn herzlichst.

 

© Renate Drax, erschienen in der Wasserburger Stimme am 31.01.2020, alle Fotos © Renate Drax

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